Vermenschlichung

Nicht so selten höre ich im Kontakt mit Menschen, manchmal sogar Hundehaltern, dass Menschen ihre Hunde „vermenschlichen“. Darüber habe ich mir mal so meine Gedanken gemacht. Es ist Vermenschlichung, wenn man ihm einen Mantel anzieht hört man. Oder wenn man sich mit ihm unterhält. Also so als Monolog. Es ist auch Vermenschlichung, wenn man ihm menschliche Gefühle zugesteht, wie Trauer oder Sorgen. Hört man so…
Was ist Vermenschlichen von Hunden? Was bedeutet das überhaupt? Ver-Menschlichen – zum Menschen machen? Wikipedia nennt das fachlich Anthropomorphismus. Bedeutet in der Definition „Das Zusprechen menschlicher Eigenschaften auf Tiere.“ Hmm…
In unserem Alltagsgebrauch bedeutet es aber, glaube ich, viel mehr. Denn wer spricht denn Tieren menschliche Eigenschaften ab? Welches sind Eigenschaften, die Menschen haben und Tiere nicht? Das kläre ich jetzt hier nicht, weil ich es fachlich nicht weiß, denn auch der Mensch ist hormonell gesteuert und Gefühle wie Nähe, Zuneigung, das Wohl beieinander führen sind durch Hormone bestimmt. Die gleichen, die bei unseren Hunden und anderen Tieren vorkommen. Und auch sie können Nähe, Zuneigung empfinden und sich wohl bei einander führen. Hunde schütten Glückshormone aus, wenn sie ihren Menschen sehen z. B. Das Thema bleibt also erstmal ungeklärt.
Auf diese „Negativbezeichnung“, man vermenschliche seinen Hund möchte ich eher eingehen.
Man tut also so, als wäre der eigene Hund ein Mensch, Freund, Partner, Kind oder was weiß ich. Aber wo geht das los? Ab da, wo wir angefangen haben, unsere menschlichen Vorlieben und Gebräuche in den Wolf zu züchten, um Wach-, Couch-, Jagd-, oder Laufhunde zu haben? Oder erst, wenn sie nicht mehr haaren sollen, damit sie keinen Dreck machen? Oder gar keine Haare mehr haben? Oder doch erst, wenn die Schnauze so kurz gemacht wurde, damit sie schön kindlich aussehen?
Ab dann, wenn wir sie nicht mehr frei auf dem Hof, sondern in der Wohnung halten? Oder ab dann, wenn sie auf die Couch oder ins Bett dürfen? Wenn man mit ihnen für den eigenen Leistungsdruck Sport macht? Oder ist es dann Auslastung? Auch, wenn sie lieber ein Kaninchen jagen würden? Oder erst dann, wenn ihnen erst die Haare oder Unterfell weg gezüchtet, sie am Kamin leben und dann plötzlich einen Mantel brauchen? Oder erst, wenn man ihnen Schleifen auf den Kopf macht, weil die Haare sonst in die Augen hängen?
Tatsächlich kann das nur jeder für sich beantworten, wo es anfängt und aufhört. Es gibt tausend Meinungen, wie ein Hund am Besten und Glücklichsten zu halten wäre und jeder denkt von sich, dass er die einzig richtige Methode gefunden hat. DAS ist menschlich. Menschlich ist auch, dass viele Menschen sich schlecht hineinversetzen können, wie ein Hund geprägt ist und funktioniert. Dass er einfach ein anderes Lebewesen ist, mit dem wir allerdings über viele Jahre schon symbiotisch zusammenleben können. Dass er vielleicht nicht unbedingt unter Bett oder Mantel leidet, aber unter Umständen darunter, dass er nicht mehr raus darf und drinnen auf Toilette muss oder permanent getragen wird. Dass keine Regeln zu kompletter Unsicherheit und später zu psychischen und körperlichen Erkrankungen führt. Da hört dann in jedem Fall der Spaß auf.
Und letztendlich bekommen es Menschen schon schwerlich hin, sich in die eigenen Artgenossen hinein zu versetzen, wie soll das erst mit einem komplett artfremden Lebewesen gehen?
Einfach mal zum darüber nachdenken… :)